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14.1.2011 20 Uhr Lichtburgforum


Zhou Qing (China)

Zhou Qing, geboren 1965 in Xi’an in der Provinz Shaanxi, studierte am Lu Xun Literary Institute und an der Northwest University, Xi’an. Im Juni 1989, nach dem Tiananmen-Massaker, wurde er festgenommen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Da er sich jedoch der „Umerziehung“ verweigerte und sogar einen Fluchtversuch wagte, kamen noch einmal acht Monate hinzu, sodass er fast drei Jahre am Stück in Gefängnissen und Arbeitslagern verbrachte.

Als Literaturwissenschaftler interessiert er sich für volkstümliche Literatur und für die Erforschung chinesischen Brauchtums mit den Mitteln der Oral History. Als kritischer Schriftsteller, Dokumentarist und investigativer Journalist beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der demokratiefeindlichen, turbokapitalistischen Politik der Kommunistischen Partei Chinas auf die Bevölkerung. Dabei packte er so heiße Eisen wie die Korruption auf der Verwaltungsebene an, und deckte nicht nur die skandalösen Vorgehensweisen der Lebensmittelindustrie selbst auf, sondern wies auch die weit verbreitete Verfilzung nach, die den Nährboden für diese Zustände bietet. Dass die Öffentlichkeit Kenntnis von diesen Praktiken erlangte, ist nicht zuletzt einer großen, auf profunden Recherchen basierenden Reportage zur Sicherheit chinesischer Nahrungsmittel zu verdanken, die Zhou Qing 2004 veröffentlichte. In zahlreichen Interviews mit Lebensmittelproduzenten, Gastronomen, Fischfarmern, Bauern, Händlern, Ärzten und Konsumenten deckte er dort den Einsatz von Hormonpräparaten in der Fischzucht, die chemische Verunreinigung von Speisesalz, die Falschdeklarierung von Industrieöl als Speiseöl oder die Melaninvergiftung von Babynahrung auf. 2006 erschien in Hong Kong sein Buch What Kind of God – China Food Safety, in dem er der Thematik der Nahrungsmittelsicherheit in China noch umfassender auf den Grund geht. Das Buch wurde sofort zum Bestseller. Seit kurzem ist die zweite, ergänzte und überarbeitete Auflage auf dem Markt. Auf die deutsche Übersetzung, die bei Zweitausendeins geplant ist, werden wir aus verlagsinternen Gründen noch etwas warten müssen.
Für diese Reportage, auf deren Grundlage das Buch entstand, wurde Zhou Qing 2006 mit dem Lettre Ulysses Award for the Art of Reportage geehrt. Darüber hinaus erhielt er für sein Buch zahlreiche weitere Auszeichnungen, so zum Beispiel 2007 den Preis der Australian International Scholarship Foundation für politischen Journalismus, 2008 für die japanische Ausgabe den Sankei Shimbun’s “Anticipated Bestseller” Silver Award und 2009 den Freedom Write Award des Independent Chinese PEN
.
Zhou Qing reiste als Gastdozent in die USA und nach Russland, er leitete das Xi`an Cang Xie Cultural Research Institute und gab die Zeitschriften Economy & Trade, Folk Magazin, Legends & Stories sowie Oral Museum heraus. Er ist Mitglied des Independent Chinese PEN und der China Society for the Study of Folk Literature and Art.

Die chinesische Staatsmacht freilich brachte seinen vielfältigen Aktivitäten, besonders seinen systemkritischen Publikationen, wenig Sympathie entgegen und war auch von dem internationalen Echo, das seine Veröffentlichungen hervorriefen, alles andere als erbaut. Wiederholt wurde er von der Geheimpolizei zum „Teetrinken“, das heißt im Klartext, zum Vernehmungen ein- oder besser vorgeladen, und mehr als einmal war er Opfer brutaler Übergriffe durch die Polizei. Grund genug, sich erneuten Freiheitsstrafen oder Schlimmerem durch Flucht zu entziehen und bis auf weiteres in Deutschland Zuflucht zu suchen. Seit dem 1. August 2009 lebt Zhou Qing als Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des P.E.N.-Zentrums Deutschland in München.

Hier beschäftigt er sich gegenwärtig unter anderem mit dem Thema Todesstrafe. Denn während seiner Haft von 1989 bis 1992 die er in Gefängnissen und Arbeitslagern verbrachte, begegnete er mit Häftlingen, die zum Tode verurteilt waren und auf ihre Hinrichtung warteten. Darüber und über viele andere Themen, die ihn beschäftigen, hat er im SALON EXIL erzählt.

Die Veranstaltung fand in chinesischer und deutscher Sprache statt. Dolmetscherin war Lea Zhou.

Moderation: Christa Schuenke

Eine Veranstaltung des Lichtburgforums in Zusammenarbeit mit dem P.E.N.-Zentrum Deutschland und der Buchhandlung Thalia.

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Foto: Matthes&Seitz

Einige unserer Autoren sind oder waren Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Texte von ihnen finden Sie in dem Band

Fremde Heimat. Texte aus dem Exil

Hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk
Matthes & Seitz Berlin 2013
Preis: € 24,90 (D)

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