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Doğan Akhanlı

DOĞAN AKHANLİ wurde 1957 in Şavşat im äußersten Nordosten der Türkei geboren. Mit zwölf Jahren zog er zu einem älteren Bruder nach Istanbul, um seine Schulbildung fortzusetzen. Nach einer kurzen Inhaftierung 1975 wegen des Kaufs einer linksgerichteten Zeitschrift begann er sich politisch zu engagieren. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 ging er in den Untergrund, wurde gefasst und saß 1985 bis 1987 als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul, wo er schwer gefoltert wurde. 1991 floh er nach Deutschland und erhielt bald darauf die deutsche Staatsbürgerschaft. Seit 1995 lebt er als Schriftsteller in Köln. Am 10. August 2010 wurde Akhanlı bei der Einreise in die Türkei wegen angeblicher Beteiligung an einem 1989 verübten Raubüberfall mit Todesfolge festgenommen und verbrachte vier Monate in Untersuchungshaft. Akhanlı bestreitet jegliche Verwicklung in das Verbrechen. Sämtliche Zeugen haben ihre frühere belastende Aussagen unterdessen unter Hinweis auf Schludereien bei den Ermittlungen sowie darauf, dass sie selbst gefoltert worden sind, zurückgezogen. Akhanlı kam im November 2010 frei, der Prozess gegen ihn wurde jedoch in Abwesenheit fortgesetzt, die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, aber Akhanlı ist inzwischen wieder in Deutschland und geht seiner Arbeit als freier Schriftsteller nach.

Akhanlı, der in türkischer Sprache schreibt, veröffentlichte 1998/99 die Trilogie Kayıp Denizler (Die verschwundenen Meere). Deren erste beide Bände Denizi Beklerken (Warten auf das Meer) und Gelincik Tarlası (Das Mohnblumenfeld) heißen. Der letzte Band Kıyamet Günü Yargıçları (Die Richter des jüngsten Gerichts) hat den Völkermord an den Armeniern 1915 zum Thema. In den zwei vorangegangenen Bänden wird anhand der fiktiven Schicksale mehrerer miteinander befreundeter junger Menschen die politische Entwicklung in der Türkei zwischen den neunzehnhundertsiebziger und neunziger Jahren beleuchtet. In seinem 2005 erschienen Roman Madonna'nın Son Hayali (Der letzte Traum der Madonna), erzählt vom Untergang der „Struma“, eines Schiffes mit über 700 jüdischen Flüchtlingen, das 1942 im Schwarzen Meer versenkt wurde. Eine Jury aus türkischen Kritikern und Schriftstellern zählte das Buch zu den zehn besten Romanen des Jahres 2005. Zwei weitere Romane, Babasız günler (Tage ohne Vater) Fasıl erschienen 2009 bzw. Ende 2010.

In seinen Büchern sowie in zahlreichen Essays, in Interviews und in Projekten, an denen er mitarbeitet, setzt Akhanlı sich immer wieder für Wahrhaftigkeit im Umgang mit einer gewalttätigen Geschichte und für die Unteilbarkeit der Menschenrechte ein. Er ist Initiator der Kölner Raphael-Lemkin-Bibliothek. Schwerpunkt seines zivilgesellschaftlichen Engagements ist die Erinnerung an die Genozide des 20. Jahrhunderts, was nicht nur das Gedenken an die Opfer des Völkermords an den Armeniern umfasst, sondern auch den interkulturellen, auf Versöhnung orientierten Dialog.

Seine Projekte wurden u. a. von der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert und sind mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt 2009 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz. Doğan Akhanlı ist Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins „Recherche International“, der sich vorrangig mit der bildungsorientierten Aufarbeitung genozidaler Gewalterfahrungen befasst.


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Donnerstag, 22.01.2015 > 20 Uhr

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Foto: Matthes&Seitz

Einige unserer Autoren sind oder waren Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Texte von ihnen finden Sie in dem Band

Fremde Heimat. Texte aus dem Exil

Hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk
Matthes & Seitz Berlin 2013
Preis: € 24,90 (D)

Die Veranstaltungen des SALON EXIL
finden in der Regel sechs Mal jährlich
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