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22.06.2012 20 Uhr Lichtburgforum


Ali al-Jallawi (Bahrain)

in Lesung und Gespräch

Der 1975 in Manama (Bahrain), geborene Dichter Ali al-Jallawi begann sehr früh damit, seine Gedanken und Sehnsüchte in Verse zu gießen. Schon mit 14 schrieb er Gedichte, durch die der Ruf nach revolutionärer Veränderung der Gesellschaft hallt. Für seine dergestalt zum Ausdruck gebrachten politischen Überzeugungen, besonders für ein Gedicht, in dem er das in Bahrain herrschende politische Regime kritisierte, kam er mit 17 das erste Mal ins Gefängnis. Mit 20 wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt.

Im Gefängnis befasste er sich mit der Philosophie und eignete sich (im Selbststudium) Kenntnisse auf vielen Wissensgebieten an. So kam es, dass er seine vormals radikalen religiösen und politischen Ansichten nach und nach revidierte und sich zu einem aufgeschlossenen Intellektuellen entwickelte, ohne den Traum von gesellschaftlicher Erneuerung, von einem gerechten politischen System aufzugeben. Er ahnte damals nicht, dass dieser Traum ihn einige Jahre später dazu bringen sollte, Bahrain zu verlassen und ins Exil zu gehen.

Im Frühjahr 2011 erhielt Ali al-Jallawi, mittlerweile ein über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus bekannter Dichter, auf Initiative der literaturWerkstatt Berlin eine Einladung zum Berliner Poesifestival und bestieg, kaum im Besitz des Visums, mit seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn die Maschine nach Berlin. Unterdessen hatten sich die Menschen in Tunesien und Ägypten gegen die korrupter Herrschaft der in ihren Ländern seit Jahrzehnten regierenden Diktatoren erhoben. Die scheinbar unverrückbar fest gefügten Verhältnisse in der arabischen Welt drohten aus den Fugen zu geraten, die alten Machthaber brachten ihre Armeen gegen unbewaffnete Demonstranten in Stellung. Ali al-Jallawi wusste, dass ihm in Bahrain eine erneute, womöglich noch intensivere politische Verfolgung drohte.

Vielleicht hatte er von vornherein die Absicht, das Rückflugticket verfallen zu lassen, vielleicht reifte dieser Entschluss auch erst während des Fluges, der ihn und die Seinen mit einem Zwischenstopp in London nach Berlin bringen sollte. Er fand es vernünftiger, in England um Asyl zu bitten, denn Englisch konnten die al-Jallawis schon. Also ging er in Heathrow ins Flughafenbüro der britischen Einwanderungsbehörde, erklärte sein Anliegen und wurde prompt in Abschiebehaft genommen, während Frau und Sohn mit dem nächsten Flieger nach Manama zurückgeschickt wurden. Nach mehreren Wochen expedierte man ihn dann, weil er ja ein – inzwischen abgelaufenes – Visum für Deutschland besaß, in ein Asylbewerberheim nach Trier.

Mit Hilfe des PEN und dank eines sehr freundlichen, literarisch interessierten Heimleiters gelang es, ihn binnen weniger Tage nach Weimar zu vermitteln, wo er acht Monate als Stipendiat des Friedl-Dicker-Stipendiums blieb. Inzwischen hält sich Ali al-Jallawi mit einem Stipendium der Akademie der Künste in Berlin auf. Er ist ein gern gesehener Gast auf zahlreichen Podien, nimmt an internationalen Lyrikfestivals teil und hat bereits unzählige Interviews für verschiedene Medien gegeben.

Im Zentrum seines dichterischen Schaffens stehen allgemein menschliche Themen, aber auch immer wieder Fragen der Menschenrechte. Sein Hauptinteresse gilt dabei den von der bahrainischen Regierung vernachlässigten ethnischen Minderheiten in seiner Heimat.

Fünf Lyrikbände sind von ihm erschienen, im Irak, im Jemen, in Syrien und Kuwait, kein einziger in seinem Heimatland. Seine Gedichte, von denen viele auch in deutschen Übersetzungen vorliegen, finden international und national Beachtung.

Am 22. Juni tritt Ali al-Jalawi im SALON EXIL auf.

Moderation: Christa Schuenke

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Donnerstag, 22.01.2015 > 20 Uhr

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Foto: Matthes&Seitz

Einige unserer Autoren sind oder waren Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Texte von ihnen finden Sie in dem Band

Fremde Heimat. Texte aus dem Exil

Hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk
Matthes & Seitz Berlin 2013
Preis: € 24,90 (D)

Die Veranstaltungen des SALON EXIL
finden in der Regel sechs Mal jährlich
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