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30.09.2011 20 Uhr Lichtburgforum


Mansoureh Shojaee (Iran)

in Lesung und Gespräch

Als im Juni 2009 Zehntausende in Teheran auf die Straße gingen, um gegen die Fälschung der Wahlergebnisse zu demonstrieren, trat damit eine Protestbewegung ans Licht der Öffentlichkeit, die sich schon vorher im Verborgenen formiert hatte und an deren Spitze die iranischen Frauen standen. Sie, die durch die Revolution der Mullahs vieler zuvor mühsam erstrittener Rechte beraubt worden waren, waren maßgeblich an dieser Bewegung beteiligt, und eine dieser Frauen, die seit über 30 Jahren zu den führenden Köpfen der iranischen Frauenrechtsbewegung gehört, ist Mansoureh Shojaee.

Die 1958 in Teheran geborene Mansoureh Shojaee hat über mehr als zwei Jahrzehnte als Bibliothekarin an der iranischen Nationalbibliothek gearbeitet und daneben in Kooperation mit anderen nationalen und internationalen Organisationen, u.a. mit UNICEF, an der Entwicklung von mobilen Bibliotheken für iranische Frauen und Kinder mitgewirkt. Als enge Vertraute von Shirin Ebadi, der Friedensnobelpreisträgerin von 2003, die im Iran unter Hausarrest steht, hat Mansoureh Shojaee sich dafür eingesetzt, Ebadis Idee zur Gründung eines iranischen Frauenmuseums in die Tat umzusetzen. Das Projekt sollte in der Bibliothek »Banu« in Evaz im Südwesten des Iran gestartet werden, wurde jedoch bereits in der Anfangsphase verboten.

Zudem arbeitet Mansureh Shojaee seit vielen Jahren auch als Journalistin und freie Autorin sowie als Übersetzerin zeitgenössischer französischer Literatur. In ihren Texten – in der Hauptsache Artikel für diverse vornehmlich feministische Zeitschriften und die von ihr mitbegründete Website Feminist School – analysiert sie die rechtliche und soziale Situation von Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft. In den neunziger Jahren gründete sie mit Gleichgesinnten das Frauenkulturzentrum Markaze farhangiye zanan. Sie hat an der Einrichtung der Frauenbibliothek Sadiqe Dolatabadi mitgewirkt und ist Mitintiatorin der Kampagne Eine Million Unterschriften für die Gleichberechtigung.

Ende Dezember 2009 wurde sie zum dritten Mal binnen vier Jahren festgenommen und kam ohne Haftbefehl ins Gefängnis, wurde aber nach einem Monat auf Kaution freigelassen und durfte nach Ablauf eines bereits früher verhängten vierjährigen Ausreiseverbots den Iran verlassen. In Deutschland fand sie zunächst Aufnahme bei der Heinrich-Böll-Stiftung und lebt und arbeitet seit Januar 2011 als Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des P.E.N.-Zentrums Deutschland in Nürnberg. Das Exil sieht sie als Zwischenlösung an und möchte lieber heute als morgen zurückkehren zu ihrer Familie, die sie in Teheran zurücklassen musste.

Mansoureh Shojaee liest aus ihrer Reportage über das Leben von Ziegenhändlerinnen im südlichen Iran und aus einer neuen Erzählung, die davon handelt, was die durch das Exil erzwungene räumliche Trennung eines Liebes- und Ehepaares für die Beziehung zwischen den Partnern bedeutet

Beide Texte wurden aus dem Farsi übersetzt von Parwin Abkai.
Die deutschen Fassungen liest Christa Schuenke.

Moderation Christa Schuenke

Eine Veranstaltung des Lichtburgforums in Zusammenarbeit mit dem P.E.N.-Zentrum Deutschland und der Buchhandlung Thalia

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Donnerstag, 22.01.2015 > 20 Uhr

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Foto: Matthes&Seitz

Einige unserer Autoren sind oder waren Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Texte von ihnen finden Sie in dem Band

Fremde Heimat. Texte aus dem Exil

Hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk
Matthes & Seitz Berlin 2013
Preis: € 24,90 (D)

Die Veranstaltungen des SALON EXIL
finden in der Regel sechs Mal jährlich
im Lichtburgforum statt.

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